Rezension: Minimalismus - Weniger besitzen. Mehr leben.

09:23

Minimalismus. Was ist das?
Eine Krankheit? Eine Sekte? Eher weniger.
Viel mehr ist es eine Einstellung, wie bei Vegetariern, die das völlige Gegenteil zu unserer jetzigen Zeit darstellt. Anstatt immer mehr, immer höher sagt der Minimalismus: immer weniger, immer besser. Hä?
Die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik redet uns ein, dass ein Wachstum nötig ist, um gut zu sein, um gücklich zu sein. Es muss immer mehr sein, immer höher gehen und wenn wir auf der Stelle treten, dann ist es schlecht, dann haben wir etwas falsch gemacht, dann haben wir versagt. Jeden Tag aufs Neuste richten wir uns her und kämpfen uns im Hamsterrad des Lebens ab. Die Folgen sind von Stress bis hin zum Burnout, von Sodbrennen bis hin zu Herzkrämpfen oder anderen körperlichen Problemen. Wer beispielsweise Sozialwissenschaften im Abitur, Nebenfach, sogar als Studienfach oder sich ernsthaft mit unserem Sozialsystem befasst hat weiß, dass Wachstum alleine die Wirtschaft niemals tragen kann und instabil ist.
Hier tritt der Minimalismus af die Bremse und stellt eine wichtige Frage: wieso tun wir das, wenn dies uns doch schädigt und wieso gehen wir nicht den entspannteren Weg?
Jeder Mensch hat seinen eigenen Grund, welches ihn antreibt, Tag für Tag auf dieses Hamsterrad zu springen: Image, Geld, Macht, etc. Durch diese Dinge definieren wir bwz. wollen dadurch von Anderen beurteilt werden.
Jemand sagte einmal (leider weiß ich nicht mehr, wer es war), dass das, was jemand anderes über dich denkt, dass ist, was er (selber) denkt. Sprich, was kümmert es dich, was er denkt?
So denke ich auch, besonders, wenn ich mir früh am Morgen den Kopf darüber zerbreche, was ich anziehen soll und mir dabei ein riesiger Berg von Klamotten entgegen kommt.
Ein nerviges Thema. Eine Frau hat einen Kleiderschrank, der aus allen Nähten platzt. Für jede Saison, in mindestens drei Größen und in allen Farben und doch gibt es nichts zum anziehen darin. Das ist eine Sache, die mir seit langem auf die Nerven geht. Mal ehrlich, wie kann das sein?
Um dem ein Ende zu setzen, fing ich mit der Zeit an, den Schrank auszumisten.
Seit Jahren nie getragen? Weg.
Passt mir selbst dann nicht, wenn ich den Bauch einziehe? Weg.
Das Teil sieht grässlich aus? Weg.
Immer mal wieder, wenn ich einen Platz mehr auf der Kleiderstande machen konnte, begann ich auszusortieren. Dabei fand ich manchmal die kuriosesten Dinge und Klamotten, dessen Existenzen ich entweder vergessen, oder verdrängt hatte.
Wenn ich am Ende einen vollen Sack voller nicht genutzer Dinge in den Altkleiderkontainer schmeißen konnte, dann fühlte ich mich gleich viel freier und entspannter.
Es begann mir spaß zu machen, so sehr, dass ich auch anfing, die Regale und den Schreibtisch unter die Lupe zu nehmen.
Heute kann ich rückblickend sagen, dass eine menge Müll platz für mehr Freiraum und neue Dinge gemacht haben.
Das Gefühl, sich von alten Lasten zu befreien, ist himmlich und so bin ich zum Minimalismus gekommen.
Die Autorin Pia Mester gibt in Minimalismus - Weniger besitzen. Mehr leben. kein Rezept vor, wie man diesen Lebensstil für sich entdecken, ausprobieren oder gar zu leben hat. Wer so etwas sucht, ist hier verkehrt. Das Buch ist viel mehr ein Ratgeber (was es am Ende ja auch ist), doch ich finde Tippgeber hier passender. Ein paar Dinge kannte ich aus eigenen Erfahrungen, andere waren eine gute Idee und unterstützten gewünschte Aufgaben schneller, eventuell sogar effektiver als gedacht.
Geschichten anderer boten interessante Einblicke in die Entscheidungen und Handlungen und die Autorin schreibt direkt und ehrlich sodass es wirkt, als würde sie wirklich mit dir sprechen. Durch den jungen Schreibstil hat sie für mich genau ins Schwarze getroffen und die Kapiteleinteilung waren flüssig und wunderbar.
Dieser Ratgeber hat mir spaß gemacht und bietet einen guten Einstieg in das Thema Minimalismus. Ebenso ist es eine gute Stütze und Tippgeber, der nicht das achte Weltwunder offenbart (das ist auch hier nicht der Punkt), aber gute Blickwinkel vorstellt.

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