Interview mit Hilde Willes

15:30

Wieder haben wir eine tolle Autorin zu Besuch auf dem Lesesofa. Herzlich Willkommen Hilde Willes. Am 01. Oktober kam ihr Buch "Wenn Mauern fallen"


DL: Hallo Hilde! Wir freuen uns dich hier begrüßen und interviewen zu dürfen!

Hilde: Hallo, liebe Astrid! Ich freue MICH, dass ich hier sein darf! Ein Interview … mit MIR … man stelle sich vor. Hihi! 

DL: Könntest du dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen? 

Hilde: Hilde Willes ist natürlich ein Pseudonym. Eher zufällig entstanden, in einer Feierlaune, als ich mit Freunden darüber rätselte, wie ich mich denn nennen könnte. Wir hatten einen heiteren Abend miteinander. Von „Lady Sunshine“ bis „Aunt Moon“ war aber auch alles an unmöglichen Namensvorschlägen vorhanden, was es so geben kann. Bis ich irgendwann aufstand und sagte: „Ich weiß es, ich werde mich Hilde Willes nennen, weil … Hilde … will … es!“ Und das war es dann auch! 
Ich habe die „goldene Fünfzig“ knapp überschritten und lebe mit meinen beiden Kindern und meiner pflegebedürftigen Mutter in einem kleinen Ort in Hessens Werra-Meißner-Kreis.
Außer Lesen und Schreiben mag ich Musik. Spiele Akkordeon und Keyboard, singe in einem Gospelchor und gehe gerne spazieren. Ich habe einen prima Freundeskreis. Menschen, auf die ich zählen kann. Mal miteinander Essen gehen, Cappuccino trinken, Kino, ein Glas Wein trinken … all das! Miteinander reden, miteinander feiern, füreinander da sein. Das ist mir wichtig im Freundes- und im Familienkreis! 

DL: Schreibst du Hauptberuflich als Autor oder hast du noch einen Brotjob? 

Hilde: Man hat zwar so seine Träume. Ich kenne einen schönen Spruch, der da heißt … „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen einzigen Tag mehr zu arbeiten“ … aber das wäre ja … na ja, das wäre natürlich wunderbar! Mit anderen Worten, das Schreiben ist ein Hobby für mich. 
Viele Jahre war ich als Sekretärin beschäftigt. Musste aber vor einigen Jahren meinen Job aufgeben, um meine schwerkranken Eltern zu pflegen. Da wir in einem Haus zusammen leben, ging das halt auf mich über. Ein Pflegeheim kam erst mal nicht in Frage. Mein Vater ist zwischenzeitlich verstorben, aber meine Mutter braucht mich noch.
Deshalb ist Arbeiten gehen außer Haus leider ein Handicap für mich. Ich habe aber Verschiedenes, was ich von zu Hause aus erledigen kann und zeitweise arbeite ich als Sitzwache in einer Psychiatrie. Und dann sind da ja meine beiden Kinder, die mich auch noch brauchen. 

DL: Was magst du, was magst du gar nicht und was ist dir wichtig? 

Hilde: Wie schon bei einer vorherigen Frage gesagt, Familie und Freunde sind mir wichtig. Meine innere und persönliche Freiheit ist mir wichtig!
Ich mag warmen Sand unter meinen Füßen und nasses Gras an einem frühen Sommermorgen, mag die Sonne und den Mond und kann nachts lange in einen Sternenhimmel gucken. Wind in meinen Haaren und Umarmungen, die von Herzen kommen. Ich mag Sinnvolles und Sinnliches mit Tiefgang, das bunte Laub im Herbst, wenn es unter den Schuhen raschelt, Schneeengel im Winter. Kaffee am Morgen, Glühwein am Abend. Musik! Lyrik! Ich möchte nie das Gefühl verlieren, dass das Leben grade erst losgeht und hin und wieder auch ein bisschen Verrücktsein, bei aller trotzdem gebotenen Realität!
Ich mag deutsches und italienisches Essen, hin und wieder auch mal der Grieche oder Chinese. Auch mag ich all diese tollen Kaffeespezialitäten, die’s so beim Italiener gibt.
Was ich absolut nicht mag sind Lügen! Falsche Freunde und Intrigenspinnerei! Krank sein und Sorgen haben! Wenn ich hinter meinen Kindern herlaufen muss, damit sie dieses oder jenes tun (lach!) und Horrorfilme. Davor graut es mir. Krieg finde ich schlimm und Herzlosigkeit. Profitgier und explizites Streben nach Macht, Macht, Macht! Bewusstes Ausnutzen anderer lediglich zum eigenen Vorteil! Was noch? Ich weiß nicht, sicher gibt es noch das eine oder andere. 

DL: War es schon immer der Plan gewesen zu schreiben oder bist du auf Umwegen dazu gekommen? Was war der springende Moment dafür zu sagen: "Jetzt will ich es veröffentlichen!"? 

Hilde: Geschrieben habe ich schon immer sehr gerne … Schülerzeitung, Tagebuch (Ellenlang!) Andere sind in die Disko gegangen und ich habe Seiten voll gekritzelt. Aber zwischendurch bin ich dann auch mal weg, lach! Man muss ja was erleben, damit man was zum Aufschreiben hat! 
Briefe, Reden und Gedichte für Feierlichkeiten … hier und da auch mal eine kleine Geschichte. Wettbewerbe aller Art, mit einem hatte ich sogar meinen Elektroherd gewonnen! 
Vor zwei/drei Jahren … wie soll man es ausdrücken?! … „gipfelte“ eine persönliche Lebenskrise in ihrem Höhepunkt. In dieser Zeit entstand der Gedanke an „Wenn Mauern fallen“, mein erste Roman, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Ich begann zu schreiben, und es war manchmal wie in Trance. Vielleicht hört es sich komisch an, aber das Schreiben half mir irgendwie, den inneren Stress besser zu bewältigen. Irgendwann war die Geschichte fertig, und zuerst war ich mir nicht sicher, was ich damit anstellen sollte.
Freunde rieten mir, es mit einer Veröffentlichung zu versuchen. Irgendwann war der Moment dann halt da, wo auch ich sagte: „Jawoll! Das machen wir dann mal!“ Hihi … aber so einfach ist das alles ja nun auch wieder nicht … 

DL: Unterstützen dich deine Familie und Freunde, oder wissen die gar nicht dass du schreibst? 

Hilde: Meine Kinder meckern zwar hin und wieder, wenn ich mich zum Schreiben „vergrabe“ … aber im Großen und Ganzen finden sie das alles sehr spannend und lassen mich machen. Meine Freunde denken ebenso! Gut, vielleicht hält mich manch einer zuweilen für ein wenig „verrückt“. Aber das ist nicht schlimm … lach! 

DL: Wenn du gerade mal kein Buch in der Hand hältst oder eins schreibst, wo und wie erlebt man dich dann? 

Hilde: Ich gehe gerne spazieren oder mit Freunden aus. Versuche, meinen Garten in Schuss zu halten, was aber meistens nicht so gelingen will, wie ich es mir vorstelle. Stadtbummel mit meinen Kindern, Schwimmbad, Kino, Wanderungen usw. Und ich liebe meine Badewanne! 
Wenn es mich packt, koche ich auch sehr gerne oder backe. 

DL: Welche 3 Sache und welche 3 Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? 

Hilde: Das ist eine schwierige Frage. Würde ich das in einem Monat noch mal gefragt werden, fiele die Antwort sicher anders aus.
Die Sachen, die ich mitnehmen würde, wären wahrscheinlich … mein Bett, meine Kaffeemaschine und ein Radio.
Da von „Sachen“ die Rede ist, sind die Menschen, die man mitnehmen würde, ja wohl nicht gemeint.
Bei den Büchern, da muss ich passen. Welche drei würde ich mitnehmen? Vielleicht den Reader, den ich mir grad erst gegönnt habe. Da sind dann ja eine Menge drauf … lach! 

DL: Mit welchem deiner Protagonisten würdest du gerne einen Tag verbringen? 

Hilde: Oh, oh! Wieder so eine schwere Frage. Das kann ich auch nicht so genau sagen. Vielleicht aus „Wenn Mauern fallen“ den Andreas?! 

DL: Hast du ein Idol? Wenn ja, wen und wieso? 

Hilde: Nein, ich habe kein Idol. Und wenn, dann würde sich das von Zeit zu Zeit ändern. 

DL: Welchen berühmten Autor/in würdest du gerne mal zum Essen einladen? 

Hilde: Phuuu! Nele Neuhaus vielleicht oder … Charlotte Link. Stieg Larsson oder Arnaldur Indridason. 

DL: Eine klassische Fangfrage: bist du der eBook- oder Print-Fan? 

Hilde: Bis vor kurzem ganz klar und deutlich PRINT! 
Aber man konnte mich von den Vorteilen eines e-Book-Reader überzeugen. Deshalb habe ich mir einen zugelegt. Noch ganz frisch! Heute geliefert! Damit werde ich mich erst einmal beschäftigen müssen. 
Also tendiere ich nun zu beidem.
Ein „richtiges „Buch“ in der Hand zu halten, nun … das hat natürlich schon was. Es hat einen Charme, den ein e-Book sicher niemals erreichen wird, also für mich! Aber trotzdem … 

DL: Wenn eines deiner Bücher verfilmt würde, wer sollte die Hauptrollen spielen? 

Hilde: Oh weija! Setz mir lieber keine Flöhe in den Kopf! Hihi! Also gut, das kann ich nicht wirklich beantworten, weil ich mir die Namen der Schauspieler immer nicht merken kann, die heute so modern sind. Das würde ich dann kompetenteren Beurteilern überlassen. Sie würden schon die Richtigen aussuchen, hoffe ich mal. 

DL: Erzähl uns doch bitte etwas über dein aktuelles Buch. 

Hilde: Mein aktueller Roman „Wenn Mauern fallen“ wurde gerade erst veröffentlicht. Es ist eine Liebesgeschichte mit, wie ich hoffe, allem, was dazugehört. Liebe, Romantik, Erotik, Eifersucht, Drama, Schicksal! Aber es handelt auch von einer Frau, die sich nach einem Schicksalsschlag alleinerziehend durch die Gegend hangeln muss. Eine Frau, die älter geworden ist und auch mit dieser Gegebenheit „ihre Spielchen“ hat. Kennt sicher jede Frau und sicher auch jeder Mann irgendwie.
Mein Roman hat einen deutschgeschichtlichen Hintergrund, nämlich den Mauerfall und die Wiedervereinigung. Es spielt also teilweise im Heute und zum anderen in der Vergangenheit um 1989 (und folgende Jahre).

Ganz einfach … Mann aus dem Osten trifft auf Frau aus dem Westen und ein Märchen beginnt … „auf immer und ewig“?! Leider nein, denn das Leben ist nun mal kein Märchen. Manchmal ist es ein großes Rätsel und es tut einfach sehr weh. Dann kann es sein, dass man anfängt, sich „einzumauern“, eigentlich gedacht zum eigenen Schutz. Möglicherweise noch nicht mal bewusst. Vielleicht kann so eine Mauer eines Tages auch wieder fallen … wenn man Glück hat! Und wenn man niemals aufgibt!

DL: Woher kommen die Ideen für deine Geschichten? 

Hilde: Ich finde sie „auf der Straße“ … Gerne sitze ich z. B. in einem Straßencafè und beobachte die Menschen, die an mir vorüber flanieren. Schau in ihre Gesichter und „sehe“ eine Geschichte.
Auch Filme inspirieren, Musik, Bilder. Etwas, das man vielleicht selbst erlebt hat oder so ähnlich. Von anderen gehört, in Gesprächen erfahren, im Nachbarort passiert … und dann mit etwas Fantasie garniert … manches könnte zu einem ganz „ordentlichen und schmackhaften Gericht“ werden! Und am Ende bleibt dann nur noch ein „Guten Appetit!“ 

DL: Wie viel von dir steckt in deinen Protagonisten? 

Hilde: Hin und wieder viel … ich glaube, das bleibt meistens nicht aus.
In meiner Protagonistin Conni in „Wenn Mauern fallen“ zum Beispiel steckt sehr viel von mir. Auch die beiden Kindern, die darin vorkommen, es könnten meine sein. Einige Freunde sind tatsächliche Freunde oder Bekannte.
Lediglich die Männer, die zum Teil auch Hauptrollen spielen … die hab ich mir erfunden. Oder auch erträumt, ganz wie man es sehen will. 

DL: Wie lange brauchst du für eine Geschichten - vom ersten Satz bis zur Endfassung? 

Hilde: Schwer zu beantworten, mal geht es schnell, mal dauert es lange.
Für diesen ersten Roman habe ich gut und gerne zwei Jahre gebraucht. Muss aber dazu sagen, dass es in einer Zeit geschrieben wurde, in der ich durch persönliche schwerwiegende Veränderungen oft sehr abgelenkt wurde. 

DL: Gibt es beim Schreiben etwas, worauf du sehr großen Wert legst? Vielleicht eine Tradition oder Aussage? 

Hilde: Ich schreibe gerne über das Leben, die Liebe, Lust und Leidenschaft und irgendwie auch menschliche Schicksale. Manchmal recht schlimme Dinge, an denen man zerbrechen könnte. Und trotzdem versuche ich, Wege zu finden, wie dort wieder herausgefunden werden kann. Wie es trotz allem weitergehen kann! Und ja, die Aussage soll meistens etwas Positives sein, aber nicht zu verwechseln mit naiver Blauäugigkeit!
Mir ist allerdings schon klar, dass es nicht immer so leicht geht im Leben, dass alles im „Friede-Freude-Eierkuchen“ endet! Und auch das versuche ich, rüber zu bringen. Dennoch kann irgendeine Möglichkeit bleiben, die Dinge für sich „anzunehmen“, damit es weitergehen kann …
Wenn mit dieser Frage noch gemeint sein sollte, was ich um mich herum brauche, um zu schreiben … dann kann ich ganz klar sagen … meinen Platz in meinem kleinen Büro und sonst keinen anderen und RUHE! Noch nicht mal Musik! 

DL: Was ist als nächstes geplant und gibt es vielleicht sogar einen kleinen Tipp ;) ? 

Hilde: Ich habe ein Buch über Kindheitserinnerungen fertig. Das poliere ich grad noch ein bisschen auf, ehe ich’s auf seinen Weg schicke. Es ist heiter und lustig, aber auch ein bisschen ironisch geschrieben. 
Weiterhin habe ich ein Buch angefangen über eine Frau, die … sagen wir mal, ein wenig eine multiple Persönlichkeit hat. Mehr möchte ich darüber noch nicht verraten. Nur so viel, dass ich hierbei stärker in die „erotische Schreibe“ einzusteigen versuche. Ob es klappt?! Wir werden sehen … 
Und außerdem steht bereits der Plot für eine Geschichte, in der es um ein Klassentreffen geht. Da kommen Leute zusammen, die sich jahrelang nicht gesehen haben. „Dinge“ von früher brechen auf, die eigentlich vergangen und vergessen sein sollten, und es geschieht sogar ein Mord. Aber pssssscht!
DL: Vielen Dank für dieses Interview Hilde! Wir freuen uns schon mehr von dir zu hören <3 

Hilde: Ich habe zu danken! Es hat mir riesigen Spaß gemacht und ehrt mich sehr! Und jaaaa, es wäre natürlich ein Traum, wenn es möglich sein dürfte, mehr von mir „zu bringen“. Aber das liegt ja nicht allein in meiner Hand!
Diese meine Hand jedenfalls winkt jetzt allen sehr herzlich zu, die das Interview gelesen haben! Vielen herzlichen Dank und eine gute Zeit!


4 Kommentare

  1. Das Interview mit der Autorin weckt große Erwartungen. Vielleicht sogar auf eine Jane Austen aus dem Werra-Land.

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  2. Mir hat dieses Interview sehr gefallen, die sehr sympathischen Antworten der Autorin, ihr bodenständiges Bewusstsein, das normal Menschliche. Ich habe es in keinem Augenblick bereut, ihre beiden Bücher gekauft und gelesen zu haben. Ganz im Gegenteil: ich freue mich auf folgende.

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